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Flüchtlinge und Studium / Refugees and Higher Education

Flüchtlinge und Studium

Internationale Studierende an der TU Dresden.

Internationale Studierende an der TU Dresden.
(© Stephan Floss)

Für Menschen, die ihre Heimat wegen Krieg oder Vertreibung verlassen und sich in einem neuen Land zurechtfinden müssen, ist die Integration in Arbeit oder Bildungseinrichtungen besonders wichtig. Flüchtlinge und Asylbewerber, die studieren möchten und die erforderliche Bildung haben, können dies auch in Sachsen. So wie alle anderen. Die sächsischen Hochschulen helfen den Geflüchteten auf diesem Weg, auch beim Erlernen der deutschen Sprache. Denn gute Sprachkenntnisse sind wie die fachliche Eignung wichtige Voraussetzungen, damit ein Studium möglich ist und gelingen kann.

Zulassungsvoraussetzungen: Die Zulassungsvoraussetzungen müssen also wie bei allen anderen Studienbewerbern erfüllt werden. Dazu gehört der Nachweis über den Schulabschluss, der für den Studienstart nötig ist. In der Datenbank Anabin können die Bewerberinnen und Bewerber prüfen, ob der ausländische Bildungsabschluss in Deutschland anerkannt ist. Wenn der Schulabschluss keinen direkten Zugang zum Studium enthält, gibt es die Möglichkeit eines Studienkollegs. Hier wird dann die fachspezifische Eignung festgestellt. Wenn aufgrund der Fluchtumstände die Zeugnisse lückenhaft und nicht wiederbeschaffbar sind, können die Hochschulen mit Beweiserleichterungen weiterhelfen.

Beratung an den Hochschulen: Wenn sich Flüchtlinge für ein Studium in Sachsen interessieren oder ein in der Heimat begonnenes Studium weiterführen wollen, sollten sie sich unbedingt an den Hochschulen beraten lassen. Es gibt zum Beispiel auch die Möglichkeit, als Gasthörer Vorlesungen zu besuchen und so eine Hochschule kennen zu lernen. Die Hochschulen haben in der Regel auch spezifische Beratungsangebote, die sich gezielt um die Belange von studieninteressierten Flüchtlingen kümmern. Derzeit studieren etwa 100 Flüchtlinge an den sächsischen Hochschulen oder sind dort Gasthörer.

 
Fragen und Antworten zum Thema: Flüchtlinge und Studium

 

1. Dürfen Flüchtlinge, deren Asylverfahren noch nicht abgeschlossen sind, in Sachsen studieren?
Der aufenthaltsrechtliche Status der Duldung (§ 60a AufenthG) oder der Aufenthaltsgestattung (§ 55 AsylVfG) steht einem Studium hochschulrechtlich nicht entgegen. Allerdings muss bei der Immatrikulation der Nachweis der Erfüllung der Krankenversicherungspflicht geführt werden. Asylbewerber, die Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz beziehen, sind nicht krankenversichert

2. Welche Bedingungen müssen für die Aufnahme eines Studiums erfüllt sein?
Die Kriterien für den Hochschulzugänge, die Immatrikulation, die Anrechnung von Studienleistungen, die Einstufungsprüfungen und die normierten Abschlüsse sind für alle Studienbewerber gleich. Ausländische Studienbewerber müssen die für das Studium erforderlichen Sprachkenntnisse nachweisen. Die Hochschulen haben bei der Zulassung von Studienbewerbern aus Nicht EU-Ländern ein Ermessen gem. § 17 Abs. 1 S. 4 SächsHSFG. Daher können Flüchtlinge und Asylbewerber zum Studium zugelassen werden, wenn sie durch Zeugnisse eine Hochschulzugangsberechtigung und die erforderlichen Sprachkenntnisse nachweisen. Sollten aufgrund der Fluchtumstände die Zeugnisse nur lückenhaft sein und nicht wiederbeschafft werden können, werden die Hochschulen im Rahmen des Beschlusses der Kultusministerkonferenz (KMK) aus dem Jahr 1985 Beweiserleichterungen gewähren. Es soll mindestens ein Dokument vorgelegt werden, das indirekt den Erwerb einer Hochschulzugangsberechtigung belegt. Soweit die Hochschulen dies für erforderlich halten, können sie durch ergänzende fachliche und sprachliche Tests die Aussage noch vorhandener Dokumente auf Plausibilität überprüfen.
Unter diesen Bedingungen kann grundsätzlich jedes landesrechtlich geregelte Studium aufgenommen und jeder Abschluss angestrebt werden.

3. Was passiert, wenn Flüchtlinge studieren möchten, aber keine Zeugnisse vorlegen können?
Wenn aufgrund der Fluchtumstände die Zeugnisse nur lückenhaft sind und nicht wiederbeschafft werden können, können die Hochschulen indirekte Nachweise akzeptieren. Lücken in der Bildungsbiographie können gestützt auf noch vorhandene Papiere geschlossen werden. Wenn ein Flüchtling aufgrund der Fluchtumstände gar keine Zeugnisse mehr vorlegen kann, können die Hochschulen durch fachliche Prüfungen die Plausibilität der vorgetragenen Bildungsbiographie bewerten. Die Kultusministerkonferenz (KMK) hat im Dezember 2015 die aus dem Jahr 1985 stammenden Regelungen der aktuellen Situation angepasst, die sächsischen Hochschulen wenden diese Reglungen sinngemäß an.

4. Können Flüchtlinge an den sächsischen Hochschulen Gasthörer werden?
Ja, Flüchtlinge mit entsprechenden Sprachkenntnissen  können von den Hochschulen für geeignete Lehrveranstaltungen als Gasthörer zugelassen werden. Einige Hochschulen bieten schon die freie Gasthörerschaft an.

5. Welche weiteren individuellen Maßnahmen sind eingeführt bzw. geplant?
Die sächsischen Hochschulen verfügen über ein vielfältiges Beratungsinstrumentarium, das auf die besonderen Bedürfnisse ausländischer Studierender ausgerichtet ist. Einige Hochschulen bieten ihre Unterstützung zentral in Willkommens-Centern an. ausgeprägt.
Viele Hochschulen bieten in den Jahren 2017 und 2018 zusätzlich im Anschluss an die Integrationskurse für Flüchtlinge weiterführende deutsche Sprachkurse für den Hochschulzugang an.

6. Können Flüchtlinge BAföG erhalten?
Anerkannte Flüchtlinge können unter den gleichen Voraussetzungen wie Deutsche ein Studium durch Studenten-BAföG finanzieren. Geduldete können nach einer Wartefrist von 15 Monaten Ausbildungsförderung beziehen. Die Teilnahme an einem weiterführenden deutschen Sprachkurs an einer staatlichen Hochschule, der für die Zulassung zu dem konkreten von der Hochschule zugesagten erforderlich ist, kann mit Schüler-BAföG gefördert werden, falls dieses Studium voraussichtlich ebenfalls gefördert wird. Das Schüler-BAföG deckt die Lebenshaltungskosten nicht vollständig ab, aber die Jobcenter können neben dem Schüler-BAföG ergänzende Leistungen gewähren. Asylbewerber mit nicht abgeschlossenem Asylverfahren bekommen keine Ausbildungsförderung.